Einfahrt zum Fabrikgelände von STIHL in Bad Cannstatt; Schwarz-Weiß-Foto.

Wo unsere Wurzeln liegen

Jeder noch so große Baum war einst ein zartes Pflänzchen. Auch STIHL hat klein angefangen: als Ein-Mann-Betrieb mitten in Stuttgart. Von dort zog das Unternehmen immer größere Kreise. Die Bilder der historischen Orte führen zu den Wurzeln und zur Wiege der STIHL Motorsäge. Manche Spuren reichen bis in die Gegenwart.

Nur wenige wissen, dass STIHL gar nicht in Bad Cannstatt gegründet wurde. Tatsächlich war der erste Firmensitz mitten in der Stuttgarter Innenstadt. Die Spurensuche beginnt dort, wo alles anfing …

Der Gründungsort

Als Ein-Mann-Unternehmen startet Andreas Stihl 1926 sein Ingenieurbüro. Es befindet sich im 3. Stock der Rotebühlstraße 43 in der Stuttgarter Stadtmitte. Hier entwirft und konstruiert Andreas Stihl zunächst Niederdruckdampfkessel und handelt mit Holzbearbeitungsmaschinen der Firma Teichert & Sohn. Zudem fungiert er als Vertreter der Firma E. Ring & Co. aus Berlin, Hersteller der „Rinco Abläng- und Baumfällmaschine“. Nebenbei tüftelt Stihl an der Konstruktion einer eigenen Motorsäge – eine Idee, die ihn schon seit 1923 umtreibt.

In den Jahren 1928 und 1929 ist die Rotebühlstraße 43 auch die Meldeadresse Andreas Stihls. Bis zum Umzug nach Cannstatt 1930 bleibt das Büro seines Unternehmens hier.

Links: Das Haus an der Rotebühlstraße 43 in Stuttgart früher; Schwarz-Weiß-Foto. Rechts: Die heutige Verkehrsader an der Stelle, wo einst das erste Büro von Andreas Stihl war.

Links: In dem Haus an der Rotebühlstraße 43 in Stuttgart war das erste Büro von Andreas Stihl untergebracht (um 1898).

Rechts: Heute fließt an der Stelle des einstigen Gebäudes der Verkehr.

Stilisierter Kartenausschnitt von Stuttgart, Fokus Stadtmitte, Rotebühlstraße.

1926 – Rotebühlstraße 43, Stuttgart Stadtmitte

Straße statt Büro

Das Haus an der Rotebühlstraße wird bei Luftangriffen am 12. und 13. September 1944 vollständig zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. Heute ist der einstige Standort von Straßen geprägt: Anstelle des Hauses findet man eine begrünte Verkehrsinsel.

Stilisierter Kartenausschnitt von Stuttgart, Fokus Stadtmitte. Seyfferstraße.

1927 – Seyfferstraße 103, Stuttgart Stadtmitte

Die Wiege der Motorsäge

Um die selbst konstruierten Motorsägen herzustellen, braucht Andreas Stihl eine Werkstatt. 1927 ist es so weit: Ein Haus im Hinterhof der Seyfferstraße 103 wird bezogen. Die Werkstatt befindet sich im Erdgeschoß und vermutlich im 1. Stock.

Zwar hat der junge Ingenieur zuvor für kurze Zeit in einer Schlosserei am Marienplatz eine Werkbank gemietet, die erste Motorsäge wird aber in der eigenen Werkstatt an der Seyfferstraße gebaut. Diese ist auch die Wiege der ersten tragbaren Benzinmotorsäge von STIHL, die 1929 produziert wird.

Links: Das Haus an der Seyfferstraße 103/1 früher; Schwarz-Weiß-Foto. Rechts: Das Haus an der Seyfferstraße 103/1 heute.

Links: An der Seyfferstraße 103/1 in Stuttgart-West ist die erste eigene Werkstatt von STIHL untergebracht (undatiert).
Rechts: Das Haus steht bis heute im Innenhof eines Wohnblocks.

Die ersten bleiben bis zur Rente

Als Andreas Stihl 1927 beginnt, selbst Geräte herzustellen, ist er auf Unterstützung angewiesen. Die ersten Mitarbeiter, die er einstellt, sind Alwin Fauser und Karl Gutjahr. Beide bleiben bis zur Rente im Unternehmen. Weil die Auftragslage gut ist, wächst die Belegschaft noch im selben Jahr auf acht Personen.

STIHL wird zur „Maschinenfabrik“

Das Unternehmen mit mittlerweile 25 Mitarbeitenden nennt sich ab 1929 „A. Stihl Maschinenfabrik“. Das Geschäft mit den Motorsägen läuft so gut, dass die Produktion mehr Platz braucht. STIHL expandiert und findet eine neue Heimat im Stuttgarter Stadtteil Cannstatt (ab 1933 Bad Cannstatt): 1930 ziehen Büro und Werkstatt in die Hallstraße 65.

Anfänglich pachtet Andreas Stihl das Firmenareal des Straßenwalzenherstellers Seitz. Nach dessen Konkurs kauft Stihl 1932 das Anwesen mitsamt Maschinen und technischen Anlagen – ein finanziell nicht risikofreier Schritt. Um während der Wirtschaftskrise liquide zu bleiben, stellt STIHL zeitweise sogar Waschmaschinen her. Dieses agile Erfindertum und der unternehmerische Mut, Neues auszuprobieren, hilft dem Unternehmen mehrmals über wirtschaftliche Krisen hinweg.

Zusammenarbeit mit der Bank

Der Kauf des Areals von Seitz ist auch ein Gefallen gegenüber der Cannstatter Volksbank, die das Anwesen sonst hätte übernehmen müssen. Im Gegenzug unterstützt die Bank STIHL in finanziell schwierigen Zeiten.

In Bad Cannstatt werden neben den eigenen Geräten ab 1943 Teile der Einheitskettensäge KS 43 für die Wehrmacht hergestellt. Die Fabrik wird bei einem Bombenangriff im Sommer 1944 so stark beschädigt, dass die gesamte Produktion nach Neustadt bei Waiblingen verlegt wird. Dort hat STIHL bereits 1938 eine ehemalige Papierfabrik erworben. Das Areal in Bad Cannstatt wird 1950 verkauft und ein Jahr später geschlossen.

Gedenktafel am heutigen Gebäude an der Hallstraße 65.

An dem heutigen Gebäude an der Hallstraße 65 ist eine Gedenktafel angebracht.

Stilisierter Kartenausschnitt von Stuttgart, Fokus Bad Canstatt. Hallstraße.

1930 – Hallstraße 65, Bad Cannstatt

Das Fabrikgelände an der Hallstraße 65 früher; Schwarz-Weiß-Foto.

1930 eröffnet STIHL die „Maschinenfabrik“ in Cannstatt (undatiert).

Stilisierter Kartenausschnitt des Großraums Stuttgart, Fokus Waiblingen.

1938 – Badstraße 115, Neustadt (ab 1975 Waiblingen-Neustadt)

Der zweite Standort wird Hauptsitz

In den 1930er-Jahren produziert STIHL immer mehr Motorsägentypen. Das Unternehmen benötigt mehr Lagerflächen und erwirbt dafür mehrere Scheunen und Ställe nahe der Fabrik in Bad Cannstatt. Andreas Stihl erwartet, dass das Unternehmen weiterwachsen wird, und sucht daher nach einem zweiten Standort. Diesen findet er 1938 an der Badstraße 115 in Neustadt (ab 1975 Waiblingen-Neustadt). Hier werden zunächst Motorenbremsstände hergestellt. Auch der Motorenprüfstand sowie die Elektromotoren-Wickelei befinden sich in Neustadt.

Die ehemalige Papierfabrik 1938; Schwarz-Weiß-Zeichnung.

Von der Papiermühle, hier als Zeichnung aus dem Jahr 1938, zum Hauptsitz: Der Standort Neustadt-Waiblingen hat sich im Lauf der Zeit gehörig verändert.

Das STIHL Werk in Neustadt bei Waiblingen 1944; Schwarz-Weiß-Foto.

Hier ein Foto des Neustadter Werks aus dem Jahr 1944.

Luftbild des Standorts Neustadt bei Waiblingen um 1960; Schwarz-Weiß-Foto.

Da tut sich was: Luftbild des neuen Hauptsitzes aus dem Jahr 1960 …

Luftbild des Standorts Waiblingen-Neustadt 1985.

… und aus dem Jahr 1985.

Werk 1 in Neustadt um 1960; Schwarz-Weiß-Foto.

Auch das Verwaltungsgebäude wächst, hier das Werk 1 im Jahr 1960.

Neues Verwaltungsgebäude bei Werk 1 1970.

1970 ragt hier bereits das neue Verwaltungsgebäude in den Himmel.

STIHL Markenwelt, 2023

Im Juli 2023 wird am Standort Neustadt-Waiblingen die STIHL Markenwelt eingeweiht.

Der zweite Standort in der ehemaligen Papierfabrik erweist sich als Glücksfall: Als die Fabrik in Bad Cannstatt zerstört wird, hat STIHL bereits Ersatzräumlichkeiten. In der Folge zieht das gesamte Unternehmen nach Neustadt um. Das Werk wird 1947 ausgebaut, 1948 entsteht ein Montagegebäude für die STIHL Schlepper. Nach dem Verkauf des Werks in Bad Cannstatt wird Neustadt 1951 zum neuen Hauptsitz von STIHL – und bleibt es bis heute.

Verwurzelt in Schwaben

Dem angestammten Schwabenland bleibt STIHL trotz Expansion ins Ausland stets treu. Heute haben drei der acht deutschen Werke eine Waiblinger Postleitzahl. Mit Ludwigsburg und Fellbach befinden sich zwei weitere Standorte im Raum Stuttgart. Als internationales Unternehmen ist STIHL gleichwohl auf der ganzen Welt zuhause.

Stilisierter Kartenausschnitt des Großraums Stuttgart, Fokus Fellbach, Ludwigsburg und Waiblingen.

Heute – Die STIHL Standorte in Waiblingen und Umgebung.

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