Charme­offensive des Garten­zwergs

Anfang der 1970er-Jahre steht er für ein neues Produktprogramm und gibt einer neuen Zielgruppe Orientierung: der „STIHL Hobby“. Ein niedlich illustrierter Wicht, der sich ab 1973 auffallend zaghaft an Freizeitgärtner und -gärtnerinnen richtet – und dann wieder in die Unauffindbarkeit verschwindet. Wer kann heute noch Hinweise zu ihm liefern? Comeback eines Werbezwergs. 

Die Schlagzeile sitzt. Die Aprilausgabe der „Holz und Motor“, Kundenzeitschrift von STIHL, titelt im Jahr 1973 in roten Lettern: „Neu: STIHL baut auch Hobby-Geräte.“ Ein Umstand, der STIHL damals noch in Verlegenheit zu bringen scheint. Fast schon kleinlaut vermittelt man der „professionellen“ Leserschaft, die „im Forst und im Bauernwald (…) tagein, tagaus mit STIHL-Sägen“ ans Werk geht, dass man nun auch Geräte für Bastlerinnen und Heimwerker führe.  

Titelseite der Kundenzeitschrift „Holz und Motor“ vom April 1973. Zu sehen ist eine Frau mit Gehörschutz, die auf einer Wiese Holz mit einer kleinen STIHL Motorsäge zerteilt. Im Hintergrund steht ein Mann in einem See und fischt.

Die Profis machen Augen: 1973 wendet sich STIHL einer neuen Zielgruppe zu. 

Seine angestammte Profi-Klientel adressiert STIHL aber nicht etwa selbst. Stattdessen schickt das Unternehmen ein wunderlich-warmherziges Wesen vor – mit Zipfelmütze, einer Blume in der Hand und einem Zwinkern im Gesicht. Pure Nettig- und Niedlichkeit, die damals auch die härtesten Motorsägenmänner besänftigt haben dürfte. Höflich stellt sich der „STIHL Hobby“ vor als Symbol für alle STIHL Hobbygeräte – und eben als Sprachrohr einer neuen Anwendungsgruppe. Ganz andere Leute seien das, erklärt der Zwerg den Profis geduldig. Nämlich Menschen, die STIHL Geräte nur in ihrer Freizeit anrührten und dabei lediglich ihrem „Spaß nachgehen“. 

„STIHL Hobby“ gesucht!

Das Comeback des niedlichen Gartenzwergs soll hiermit nicht enden: STIHL sucht nach seinen Spuren in der Welt. Haben Sie vielleicht noch einen Schlüsselanhänger oder andere Merchandise-Artikel mit dem „STIHL Hobby“? Dann würden wir uns über einen Hinweis – am besten mit Foto – sehr freuen! Senden Sie uns Ihren Fund an 100@stihl.de

Schwarz-Weiß-Illustration der Werbefigur „STIHL Hobby“.

Im April 1973 gibt der „STIHL Hobby“ sein Debüt und wird zum Botschafter des STIHL Hobbygeräteprogramms. 

Raus aus der Wildnis, rein in die Beschaulichkeit

Rückblickend hat diese entwaffnend ehrliche Ansprache recht amüsante Züge. Doch offenbar besteht die Sorge, dass das neue Sortiment bei den Profis auf Unverständnis stößt. Am Gartenzaun – so liest es sich zwischen den Zeilen – versucht man fast schon eine Beziehungskrise abzuwenden, wenn der Hobbyzwerg versichert: „Die Hobby-Abteilung bei STIHL wird immer nur ein sehr bescheidenes Leben neben den Konstruktionsabteilungen für Profis führen.“ 

Aus dem Wald kommend, ist der Garten noch Neuland für das Unternehmen, für den der „STIHL Hobby“ aber immerhin die passenden Geräte dabeihat. Genauso winzig und kompakt wie er selbst.  

„Solide STIHL-Geräte“

Die STIHL 015 – bei Bedarf mit Heckenscherenanbau – ist noch kleiner als die kleinste Profisäge. Die Elektrosäge STIHL E10 ist mit 3,9 Kilogramm damals ein Fliegengewicht. Der Trennschleifer STIHL TS 200 ist für all „diejenigen gedacht, (…) die ihren Garten oder das ‚Stückle draußen‘ verschönern wollen und dazu ein benzingetriebenes Gerät brauchen“. Ambitionierten Bastlern stellt STIHL die 020 AV respektive 020 AVH zur Verfügung, sozusagen der Hobby-Zwilling der kleinsten Profisäge, der STIHL 020 AVP. Letztere ist eine Weiterentwicklung der Hobby-Säge 020 AV – und der Beweis dafür, dass schon in den 1970er-Jahren die Rufe aus dem Wald nach leichteren Sägen lauter wurden. Die Hobbygeräte seien „handlich, zuverlässig und bequem zu warten“, versichert der Zwerg. „Es sind keine Spielzeuge. Es sind solide STIHL-Geräte.“ So kommt der „STIHL Hobby“ am Ende seines Debüts zu einem wunderbar versöhnlichen Fazit: Egal, ob Profi- oder Hobbygeräte – die Qualität ist dieselbe: „STIHL bleibt STIHL.“ 

In jedem Hobbygärtner ein Profiherz

Rückblickend ist die 1973 angestoßene Produkt- und Zielgruppendiversifizierung wegweisend – STIHL Geräte sind heute dank Akkutechnologie noch handlicher, leiser und leichter. Ein Beispiel: Der Akku-Gehölzschneider GTA 26, der nur 1,1 Kilogramm wiegt. Sowohl für Profis als auch für Hobbyanwender bietet STIHL eine breite Palette an Werkzeugen. Heute weiß das Unternehmen auch: In jedem Hobbygärtner schlägt ein Profiherz. 

Werbeprospekt für „STIHL Hobby“; auf dem Foto gehen zwei Männer und eine Frau über eine blühende Wiese. Alle von ihnen halten ein STIHL Gerät in den Händen.

Drei für den Hobbybedarf (von links): STIHL TS 200, E10 und das Antriebsaggregat 015 mit Heckenscherenanbausatz.  

Anstecker illustriert mit dem Hobbyzwerg von STIHL; Schwarz-Weiß-Foto.
T-Shirt illustriert mit dem Hobbyzwerg von STIHL; Schwarz-Weiß-Foto.
Schlüsselanhänger illustriert mit dem Hobbyzwerg von STIHL; Schwarz-Weiß-Foto.
Pflaster-Set illustriert mit dem Hobbyzwerg von STIHL; Schwarz-Weiß-Foto.
Flaschenöffner illustriert mit dem Hobbyzwerg von STIHL; Schwarz-Weiß-Foto.

Nie war Gärtnern niedlicher: Der „STIHL Hobby“ sorgt als Merchandise-Artikel für „Mehr Spaß in der Freizeit“. 

Der „STIHL Hobby“ erledigt indes seinen Job engagiert. Er findet sich in den 1970er-Jahren auf allerlei nützlichen Gegenständen wieder. Zum Bespiel hilft er beim Flaschenöffnen, prangt auf T-Shirts und Gartenschürzen und offeriert sogar Trostpflaster. Danach wird der freundliche Zwerg, der so charmant zwischen Waldarbeitern und Hobbygärtnern vermittelt und STIHL das Gartentürchen öffnet, offenbar nicht mehr gebraucht. Er verschwindet – und erfindet sich vielleicht irgendwo in einer lauschigen Grünanlage als Gartenzwerg neu? Man mag es ihm wünschen. 

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