Eine Familie für STIHL
STIHL begreift sich als Familienunternehmen durch und durch. Ein Aspekt, der auch in der Belegschaft zum Tragen kommt, wo sich schon mal mehrere Generationen einer Familie dem Arbeitsleben bei STIHL verschreiben. Nicht anders ist das bei Familie Stawski. Norbert, Christian und Annika Stawski haben jeweils ihren beruflichen Weg bei STIHL gefunden. Wenn Unternehmens- und Familiengeschichte untrennbar miteinander verbunden ist.
Jede Lebensgeschichte hat einen Ursprung, einen Auslöser. Bei Norbert Stawski, Jahrgang 1940, klingt er so: „Mein Vater war Förster. So fängt es an.“ Rückblickend erweist sich das Förstersein des Vaters offenbar als eine hervorragende Basis für Norbert Stawskis Werdegang bei STIHL. Auch wenn der Weg nach Waiblingen und, so viel sei an dieser Stelle schon verraten, auch nach Dieburg, für Norbert Stawski alles andere als ein direkter ist.
Trotzdem Förster
Zunächst ist da ein vom Krieg zerstörtes und zerklüftetes Europa, das in den 1950er-Jahren schon wieder im Begriff ist, in den nächsten, wenn auch Kalten Krieg abzudriften. Und da ist eine Mutter, die sich wünscht, dass der Sohn Zahnarzt wird. Norbert Stawski wird trotzdem Förster und er will aus seinem Heimatland Polen hinaus in die westliche Welt. Nach seiner Ausbildung kommt er nach Deutschland. Zunächst macht er Station in Freiburg, wo er Forstmechanisierung studieren will und von wo aus ihn ein mit Andreas Stihl bekannter Professor nach Waiblingen weitervermittelt.
Mit dem Zug nach Waiblingen
Am Bahnhof sei er mit einem Mercedes abgeholt worden, erinnert sich Norbert Stawski und kommentiert schelmisch: „Sehr nobel, so wie sich das gehört.“ Sein Einstellungsgespräch führt er gleich mit Andreas Stihl persönlich. Da ist Norbert Stawski 19 Jahre jung, unternehmungslustig, weltgewandt und schindet damit offenbar Eindruck. Er bekommt eine Wohnung in Neustadt vermittelt, nur ein paar hundert Meter von seinem neuen Arbeitsplatz entfernt.
An der STIHL 090 in seinem Element: Norbert Stawski, wahrscheinlich Ende der 1960er-Jahre.
Norbert Stawski„Der 24. Juni 1959, das ist mein offizielles Datum, da habe ich beim STIHL angefangen. Im gleichen Jahr kam auch die Contra raus …“
Christian Stawski„Und ab da ging es ja dann steil bergauf.“
Annika Stawski (augenzwinkernd)„Das lag natürlich nur am Opa.“
Eine zweite Heimat
Rückblickend ist es für Norbert Stawski eine aufregende, vor allem produktintensive Anfangszeit bei STIHL. Er beginnt in der Einsägerei: „Damals war es noch so, dass jede Serie, die vom Band kam, manuell eingesägt wurde. Wir haben also mit jeder Contra, mit jeder Motorsäge probegesägt, bevor sie an den Kunden gegangen ist. Wir bauten eine Hobelzahnkette drauf und legten los.“ Vermutlich wird sie vor allem da intensiviert, Norbert Stawskis Nähe und Liebe zu STIHL Motorsägen, die er zunächst in der Reparaturabteilung und Entwicklung, später dann auch im Außendienst von STIHL an Partner und Kundschaft, aber auch an seinen Sohn weitergeben wird. Die Sägen kennt Norbert Stawski bald bis zur letzten Schraube – und STIHL wird zu seiner zweiten Heimat. Dazu trägt auch eine gute Verbindung zu Andreas Stihl bei, mit dem Norbert Stawski schon mal abends im Wirtshaus sitzt, „ein Viertele schlotzt“ und über Motorsägen fachsimpelt: „Er hat sich gekümmert – um viele Dinge. Er hat auch wissen wollen, wie ich die Ketten schärfe. Auf einmal war er da und hat mir über die Schulter geschaut.“
Leben aus dem Koffer
Norbert Stawski bleibt für STIHL in Bewegung, ist bei Versuchseinsätzen im Schwarzwald dabei, aber auch in Ungarn, im damaligen Jugoslawien, Finnland, Frankreich, in der ehemaligen Tschechei, sogar auf den Philippinen und in Südafrika. So vergehen 13 Jahre, bis 1972 die Vertriebsorganisation in Dieburg gegründet wird, wohin Norbert Stawski, mittlerweile stolzer Ehemann und frisch gebackener Vater von Sohn Christian (*1972), schließlich wechselt. „Ich war immer unterwegs, lebte quasi aus dem Koffer. Ich kam kurz nach Hause, nur um gleich wieder zum Flughafen zu fahren. Und das wollte ich dann irgendwann nicht mehr machen. Ich wollte bei meiner Familie sein.“
Bis zu seinem Renteneintritt 2004 ist Norbert Stawski in der STIHL Vertriebszentrale in Dieburg aktiv – und von dort aus viel in Deutschland unterwegs.
Das Herz in Waiblingen
Das Kürzertreten klappt nur bedingt. STIHL setzt weiter sehr auf ihn. Im Außendienst ist Norbert Stawski aber immerhin nur noch innerhalb der Bundesrepublik unterwegs. Er tauscht das Flugzeug gegen das Auto ein, Flugmeilen gegen hohe Kilometerstände. Fortan beschäftigen ihn, der nun mit seiner Familie in Gundelsheim bei Heilbronn lebt, Vertrieb, Kunden- und Händlerkontakte und die Ausbildung der Außendienstmitarbeitenden. So bleibt es bis zu seinem Renteneintritt 2004. Seine Anfangsjahre in Waiblingen lassen ihn dabei nie richtig los: „Ich arbeitete in Dieburg, aber mein Herz war immer in Waiblingen. Natürlich hat man telefoniert und ich war auch öfters dort, gerade, als es mit Christian dann losging.“
Christian Stawski„Wenn wir am Wochenende zusammensaßen, zum Beispiel bei uns im Keller in Gundelsheim, ging es immer um STIHL.“
Norbert Stawski„Das ist ja heute noch so. In meinem Schlafzimmer hängen Arbeitsbilder an der Wand. Wenn ich meine Augen aufmache, sehe ich Motorsägen. Bis ich sterbe, wird das so sein.“
„Ich will auch zu STIHL“
Mit Christian Stawski und STIHL geht es im Januar 1995 los. Und eigentlich auch schon viel früher. „Wenn Papa nach Hause kam, ging es ja auch immer um STIHL. Ich glaube, ich habe als Baby schon in der Wiege gesägt und bin als Jugendlicher mit einer STIHL Mütze herumgerannt, kannte die Kataloge auswendig.“ Auch komplexere Dinge wie Ketten- und Schienentechnik kennt er in- und auswendig. Irgendwann kommt der Tag, an dem Christian seinem Vater klarmacht: „Ich will auch zu STIHL.“ Und so kommt es – wenn auch zunächst im Bayerischen Wald. Hier lernt er bei einem Händler das Reparieren und Verkaufen von STIHL Geräten von der Pike an. 1995 geht es dann in die Messeabteilung von STIHL.
Nah an Kunde und Säge: Norbert (links) und Christian Stawski jeweils bei ihrer Arbeit – 1987 und 2017.
Wie schon sein Vater zuvor, ist auch Christian erst einmal viel in der Welt und auf Messen unterwegs – und wechselt schließlich in den Besucherservice. Er ankert im familiären Sehnsuchtsort Waiblingen. Hier präsentiert er unter anderem vor internationalen Händlergruppen und deren Kunden die Produkte, die er schon von Kindesbeinen an so liebt und entfacht Begehrlichkeiten. Eine lange Einarbeitungszeit braucht er nicht: „Ich war, was das ganze Thema STIHL Produkte angeht, schon immer tief drin und konnte hier sofort einsteigen.“ Auch bei Werksführungen profitiert er von seinen Fachkenntnissen. 20 Jahre hält es ihn im Besucherservice. In dieser Zeit führt er auch Waldexkursionen für neue Mitarbeiter durch – und lernt dabei seine Frau Ilona kennen. Als neue Sekretärin von Dr. Rüdiger Stihl wird sie damals von ihrem Chef in den Wald geschickt, um den praktischen Umgang mit STIHL Maschinen und Geräten zu üben. Der Anfang einer mittlerweile 25 Jahre währenden Ehe. 2015 wechselt Christian Stawski dann in die internationale Verkaufsförderung. Er reist ins Ausland, schult und trainiert Händler und Importeure. Aufgaben, die ihn einmal mehr mit den Tätigkeiten seines Vaters verbinden.
Christian Stawski„Wenn man in unsere Garage reinkommt, haben wir hinten eine schöne Sitzecke – und was hängt da im Eck? Die STIHL Contra von ’59!“
Annika Stawski„Und die läuft noch?“
Norbert Stawski„Klar. Wir sind doch vom Fach.“
Im Zwiespalt
Bei Annika Stawski, Jahrgang 2002, dauert es ein bisschen länger, bis sie sich von der (groß-)väterlichen STIHL-Begeisterung anstecken lässt. Soll sie sich wirklich dem Unternehmen zuwenden, in dem bereits der Opa, der Papa und auch Mama Ilona arbeiten oder einen ganz anderen, einen eigenen Weg einschlagen? Auch von Annika gibt es Bilder aus Kindertagen, auf denen sie eine STIHL Mütze trägt. Der Umgang mit der Motorsäge, das Holzmachen auf dem eigenen „Stückle“ sind ebenfalls Teil ihrer Kindheit. Kurzum: STIHL gehört zu Annika, seit sie auf der Welt ist. Doch gehört Annika auch zu STIHL?
„Obwohl es für mich klar war, dass ich nach der Realschule eine Ausbildung mache, war ich hin- und hergerissen: Gehe ich wirklich da hin?“ Sie schreckt vor allem die Meinung der anderen: „Ich wollte nicht den Ruf haben: Du bist ja nur wegen deiner Eltern hier.“ Annika vertraut dann doch auf ihr Bauchgefühl, lehnt andere Ausbildungsangebote ab und kommt zu STIHL. „Dass man hier eine gute Ausbildung kriegt, das weiß man ja, dafür ist STIHL bekannt.“ 2018 startet sie in ihr erstes Ausbildungsjahr – und wird Kauffrau für Büromanagement. In den anderen Azubis findet sie eine enge Gemeinschaft vor, die gemeinsam viele Unternehmungen machen. Hier wird der Grundstein für ein vielseitiges firmeninternes Netzwerk gelegt, das es auch Annika ermöglicht, in die unterschiedlichsten Unternehmensbereiche hineinzuschnuppern.
Früh übt sich: Schon 2007 schafft es Annika Stawski auf den Titel einer Ausgabe der STIHL Zeitschrift „Blick ins Werk“. Damals ist sie knapp fünf Jahre jung.
Ein Verständnis für die Firma
Genau diese Wissenstiefe ist ihr wichtig. Sie will ihren Arbeitgeber in all seinen Facetten kennenlernen. Führungen durch die Fertigung und Montage saugt sie mit Begeisterung auf. „Ich finde es cool, wenn man ein gewisses Verständnis für die Firma hat, in der man arbeitet, zumindest zu wissen: Was wird in Waiblingen produziert? Wir haben so einen großen Standort in Deutschland und man sollte wissen, was hier gemacht wird.“ Dieser Anspruch kommt sicher nicht von ungefähr. „Natürlich haben mir das besonders Opa und Papa so vorgelebt, und ich bin froh, dass ich damit aufgewachsen bin.“
Jahre war Norbert Stawski insgesamt bei STIHL beschäftigt.
Drei Generationen einer Familie, von links: Annika (*2002), Norbert (*1940) und Christian Stawski (*1972) haben ihre berufliche Heimat alle bei STIHL gefunden. 2023 feiern sie diese Verbundenheit bei Christian Stawskis 25-jährigen Firmenjubiläum.
Happy-end in Waiblingen
Für Norbert Stawski ist 2004 noch nicht Schluss. „Ich habe dann noch acht Jahre STIHL drangehängt.“ Er zieht mit seiner Frau von Gundelsheim zurück in die Umgebung von Waiblingen, um näher bei Sohn, Schwiegertochter und dem Enkelkind zu sein – natürlich auch bei STIHL. Acht Jahre führt er Mitarbeitende, Fans und Interessierte durch „seinen“ Betrieb. Und arbeitet dabei auch mit seinem Sohn Christian zusammen. „Da war ich dann endlich mal sein Chef“, scherzt dieser. Erst 2012 geht Norbert Stawski dann wirklich in den Ruhestand. Nach nicht ganz 54 Jahren für und bei STIHL. Im Herzen sei er immer noch aktiv dabei und glücklich, dass die folgenden Stawski-Generationen auch eine berufliche Heimat bei „seinem STIHL“ gefunden haben: „Ich bin sehr stolz. Wobei das Wörtchen stolz gar nicht ausreicht. Das ist viel, viel mehr!“