Lebensretter

Wer Leben retten will, braucht die richtige Ausrüstung. Werkzeug, das im entscheidenden Moment erfolgreich Wege bahnt und Zutritt verschafft. Die STIHL Rettungssäge unterstützt seit 2000 die Arbeit von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) in ganz Deutschland. Michael Fuchs, freiwilliger Feuerwehrmann in Waiblingen und STIHL Mitarbeiter, gibt Einblicke in ein nicht zuletzt technisch anspruchsvolles Ehrenamt.

„Das ist unsere neue Drehleiter, die jetzt auch in den Gruppendiensten genutzt wird“, sagt Michael Fuchs stolz und deutet auf ein hell erleuchtetes Einsatzfahrzeug. Am sogenannten Rüstwagen, quasi die fahrbare Werkzeugkiste der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Waiblingen, reckt sich gerade langsam ebenjene Leiter samt voll besetztem Korb in die Höhe. Das besondere an diesem Ensemble: Korb und Leiter kommen mit einem liegenartigen Aufsatz daher, mit dem sich Patienten und Patientinnen aus höheren Stockwerken über Balkone oder Fenster retten lassen – und nicht etwa geborgen werden. „Geborgen werden nur Tote und Gegenstände. Lebende Menschen und Tiere werden immer gerettet. Das wird in den Nachrichten oft falsch gesagt“, muss Michael Fuchs loswerden.

Technische Hilfeleistungen

Die Drehleiter ist an diesem Mittwochabend Teil eines umfassenden Übungsprogramms, das auf dem Areal des Bauhofs in Waiblingen stattfindet. „Der sogenannte technische Hilfeleistungsdienst umfasst grob gesagt alles, was nicht mit Brandbekämpfung zu tun hat“, erläutert Michael Fuchs. Heute üben die rund 25 Männer und Frauen der Abteilung Waiblingen deshalb auch das Anheben eines tonnenschweren Containers mittels hydraulischer Winde und Hebekissen, oder das theoretische Befreien eingeklemmter Personen aus einem Fahrzeug mit einem hydraulischen Spreizer. Trotz Übungskünstlichkeit, wie Michael Fuchs es nennt, lasse sich viel aus diesen Situationen für den Ernstfall lernen. Die Abteilungsmitglieder der FF Waiblingen trainieren in Einheiten wie dieser den Umgang mit unterschiedlichsten Werkzeugen und Hilfsmitteln. Eine Routine, die Leben rettet.

Feuerwehrleute beüben die Drehleiter.

Auch die Handhabung der neuen Drehleiter ist Bestandteil der Übung der FF Waiblingen.

„Man kann auch mit Höhenangst bei der Feuerwehr etwas werden. Wir bringen jeden unter, er muss nur Spaß und Energie mitbringen. Aber wir fordern Zeit und Hingabe. Feuerwehr muss man wirklich wollen.“

Michael Fuchs Stellv. Abteilungskommandant FF Waiblingen
Ein Mann präsentiert eine Motorsäge von STIHL, hinter ihm steht ein Feuerwehrauto.

In seinem ehrenamtlichen Engagement als Feuerwehrmann hat es Michael Fuchs auch mit Produkten seines Arbeitgebers STIHL zu tun.

Unvorhersehbare und unstrukturierte Situationen

„Welche Mittel und Möglichkeiten haben wir und wie setzen wir diese möglichst zielführend ein?“ Als stellvertretender Abteilungsleiter ist es Michael Fuchs gewohnt, auch in unvorhersehbaren und unstrukturierten Situationen die Verantwortung zu tragen und Lösungswege vorzugeben, die seine Mannschaft erfolgreich durch den Einsatz lotsen. Genau diese Unvorhersehbarkeit und Vielseitigkeit schätzt Michael Fuchs, hauptberuflich Projektmanager für Ladegeräte bei STIHL, an seinem Ehrenamt. „Wir decken ein unglaublich breites Spektrum ab. Wenn andere nicht weiterkommen, dann rufen sie immer die Feuerwehr.“

Immer einsatzbereit

An Mitteln fehlt es der FF Waiblingen glücklicherweise nicht. Zuständig für die adäquate Ausstattung der Feuerwehr sind jeweils die Kommunen. STIHL gehört ebenfalls zu den Unterstützern der hiesigen Feuerwehr. Im fahrbaren Werkzeugkasten bzw. der Drehleiter finden sich deshalb auch einige STIHL Geräte: zum Beispiel ein Hochentaster, um gebrochene Äste aus Baumkronen zu entfernen. Der Trennschleifer, jeweils als Verbrenner- und Akku-Variante, und die sogenannte Rettungssäge finden im Rettungswagen Platz.

Rettungssäge Modell MS 462.

Die STIHL Rettungssäge (hier das Modell MS 462 RHD) gehört heute selbstverständlich zur Ausrüstung von Feuerwehr und THW.

Ein Feuerwehrmann bearbeitet eine Tiefkühltruhe mit einer Motorsäge.

Der Umgang mit der Rettungssäge wird bei der FF Waiblingen regelmäßig geprobt.

Werbung Rettungssäge mit Feuerwehrszene im Hintergrund, 2000.

2000 ist die damalige Rettungssäge STIHL 046 RHD noch eine Neuheit und wird mit all ihren Vorzügen bei der Zielgruppe beworben.

Die Rettungssäge

Sie wurde speziell entwickelt für die Bedürfnisse der Rettungsorganisationen und gehört heute ganz selbstverständlich in die Werkzeugkästen von Feuerwehr, THW und Katastrophenschutz. Inspiriert wird die Entwicklung der ersten STIHL Rettungssäge durch das verheerende Zugunglück von Eschede 1998, bei dem 101 Menschen zu Tode kamen und 108 Menschen größtenteils schwer verletzt wurden. Der Unfall wird als das bislang schwerste Zugunglück in der Geschichte der BRD eingestuft. Rund 500 Feuerwehrleute waren damals unter anderem im Einsatz. Ihnen mangelte es an Werkzeugen, mit denen sich zum Beispiel Fensterscheiben oder die ICE-Außenwände aus Aluminium effektiv durchtrennen ließen. Die Spezialsäge selbst kommt im Jahr 2000 mit der Typenbezeichnung 046 RHD auf den Markt und – so titelt das „Motorjournal“ in seiner März-Ausgabe des gleichen Jahres – ist gemacht „Für den harten Einsatz“. Die Säge überwindet einen hohen Schnittwiderstand. Ausgestattet mit der Hartmetallsägekette „Rapid Duro Super“, deren Schneidezähne mit Wolfram-Karbid und Kobalt aufgepanzert sind, schneidet sie mühelos durch unterschiedlichste Materialien – auch durch die stabilen Glasfenster eines ICE.

Echtes Wunderwerkzeug

Den Einsatz der Säge probt die Feuerwehr heute ebenfalls. Michael Fuchs erläutert, worauf es dabei ankommt, und demonstriert die durchschlagende Kraft der Säge an einer ausrangierten Tiefkühltruhe. Funkenflug inklusive. Natürlich durchtrenne die Säge auch viel härtere Materialien wie Kupfer oder Panzerglas. Aus Kostengründen – die Kette der Säge besteht aus einer der härtesten Metalllegierungen – soll die Säge aber in Übungssituationen geschont werden. Wichtig ist: Nur Kolleginnen und Kollegen, die einen Motorsägenschein haben, dürfen diese Säge auch benutzen. Sehr häufig sei die Säge in Waiblingen noch nicht im Einsatz gewesen, erzählt Michael Fuchs. In verfahrenen Situationen sei sie jedoch ein echtes Wunderwerkzeug. Zum Beispiel, als einmal der gläserne Aufzug am Bahnhof Waiblingen in sengender Mittagshitze stecken blieb und es nur die Rettungssäge durch das Glas und zu den eingeschlossenen Menschen schaffte. Der Schnitttiefenbegrenzer der Säge ermöglichte die exakte Einstellung der Schnitttiefe und sorgt dafür, dass auf der anderen Seite niemand verletzt wird.

321

Einsätze hatte die Stützpunktfeuerwehr Waiblingen 2024. Insgesamt rückten die sechs Abteilungen der FF Waiblingen in diesem Zeitraum 433-mal aus.

Proben für den Ernstfall: Auf dem Gelände eines Bauhofs in Waiblingen testen die Feuerwehrleute eine neue Drehleiter oder heben einen tonnenschweren Container mittels Hydraulik und Pressluft an.

Drehleiter
Feuerwehrleute stehen vor zwei von einem Spotlight erleuchteten Containern.

Ein verständnisvolles Umfeld

Die Rettungssäge ist ein Baustein im Werkzeugkasten der Feuerwehr. Ein Spezialgerät für den Spezialgebrauch. Team und Ausrüstung müssen indes zu jeder Tages- und Nachtzeit startklar sein. „Dadurch, dass wir als Stützpunktfeuerwehr viel Sonderequipment haben, sind wir bei den meisten Einsätzen mit dabei“, sagt Michael Fuchs. Im Schnitt klingele es in Waiblingen einmal am Tag. Das verlange nicht nur von ihm ein hohes Maß an Flexibilität. „Der Gesetzgeber sagt klipp und klar: Mein Arbeitgeber muss mich auch während der Arbeitszeit gehen lassen. Es darf aber weder mir noch meinem Arbeitgeber daraus ein Nachteil entstehen.“ Manchmal müsse er also abwägen, ob er alles stehen und liegen lassen könne. STIHL bezahle die Kräfte der Feuerwehr Waiblingen in solchen Fällen tagsüber weiter, erzählt Michael Fuchs. „Das müsste er nicht, und das rechne ich meinem Arbeitgeber hoch an.“ Auch sein Umfeld zeige viel Verständnis für sein „anspruchsvolles Hobby“. Ohne die Zustimmung der Familie gehe es nicht, das müssen sich alle Feuerwehranwärter und -anwärterinnen vor Augen führen.

FF Waiblingen

Über 500 Ehrenamtliche sind bei der Freiwilligen Feuerwehr Waiblingen in ihrer Freizeit für die Sicherheit anderer im Einsatz. Sie verteilen sich auf die sechs Abteilungen bzw. Ortschaften Waiblingen, Beinstein, Bittenfeld, Hegnach, Hohenacker und Neustadt. Dieses „Überall-vor-Ort-Sein“ ermöglicht es der Feuerwehr, schnell dort zu sein, wo sie gebraucht wird.

Feuerwehrauto

Michael Fuchs ist einer von mehr als 500 Freiwilligen bei der FF Waiblingen.

Feuerwehrmänner der Feuerwehr Waiblingen mit Helm und Schutzkleidung.

Kein Diskutierklub

E-Mails, Datenauswertung, Besprechungen auf Abteilungsebene, Statistiken vorbereiten, übergeordnete Übungen planen – sein Ehrenamt beschäftige ihn im Schnitt zehn Stunden in der Woche, sagt Michael Fuchs. Zudem müsse er sicherstellen: Ist unser Fuhrpark in Ordnung, sind alle im Team fit? Wer ist wann tagsüber verfügbar? All das will nebenbei organisiert werden und diese Einsatzbereitschaft erwartet Michael Fuchs auch von allen anderen in der FF Waiblingen. Feuerwehr, das sei ein Teamsport. „Im Einsatz sind wir kein Diskutierklub“, sagt Michael Fuchs. Umso wichtiger sei deshalb die Nachbereitung, in der getroffene Entscheidungen noch einmal erläutert und durchgesprochen werden. Auch traumatische Situationen werden auf diese Weise aufgearbeitet. „Man muss sich diese Dinge von der Seele reden. Meine Frau kennt das sehr gut.“

Michael Fuchs lacht in die Kamera.

Hat ein zeitintensives Ehrenamt: Michael Fuchs.

500

Stunden im Jahr wendet Michael Fuchs im Schnitt für sein Ehrenamt auf – exklusive Einsätze.

Rundum lösungsorientiert

Feuerwehrmann ist Michael Fuchs seit rund 30 Jahren. Ein sinnvolleres Hobby kann er sich nicht vorstellen. Natürlich helfe sein Faible für Technik bei den Einsätzen. Seine in der Feuerwehr mannigfaltig erprobte Lösungsorientierung komme ihm außerdem in seinem Arbeitsumfeld in der Entwicklung zugute. Auch dort laufe schließlich nicht immer alles nach Plan: „Ich fühle mich davon selten überfordert. Ich sehe immer eine Möglichkeit, wie wir zu einer guten Lösung finden können.“

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