Illustrative Collage aus AV-Griff, Quickstop und Katalysator

Bahnbrechende Details

Vibration gedämpft, Emissionen reduziert, Sicherheit erhöht: Vermeintlich kleine Verbesserungen bereits erfolgreicher Produkte setzen bei STIHL Standards für Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umweltverträglichkeit. Wie QuickStop, Kat, AV-Griff und MotoMix ihre Wirkung entfalten.

Die erste Einmann-Benzinmotorsäge, die erste elektronische Zündanlage, die erste Sägekette mit Selbstschmiereffekt – STIHL kann auf einige große Innovationen der Motorsägenentwicklung zurückblicken. Doch es gibt auch so manche unscheinbare Erfindung mit großer Wirkung.

Eine ruhige Hand

Leichte Zweitaktmotoren vibrieren. Das lässt sich nicht ändern. Wer mit älteren Motorsägenmodellen arbeitet, wird immer ein wenig durchgeschüttelt. Dies kann in Kombination mit Kälte zu einer zeitweiligen Unterbrechung der Durchblutung der Finger führen, die dadurch weiß werden. Die sogenannte Weißfingerkrankheit ist zunächst unter Motorsägenführern weit verbreitet, bis STIHL als weltweit erster Hersteller von Motorsägen 1964 ein Antivibrationssystem einführt. Der „AV-Griff“ setzt ein so einfaches wie cleveres Prinzip um: Die Trage- und Haltegriffe werden an der vibrierenden Maschine getrennt und wie ein Rahmen daran befestigt. An nur drei Kontaktpunkten, die mit vibrationsdämpfenden Gummipuffern versehen sind, halten die Griffstangen die Maschine.

Die Schonung von Muskeln und Gelenken durch den AV-Griff ist eine wichtige Errungenschaft für die Gesundheit der Anwender und Anwenderinnen. Auch die Weißfingerkrankheit tritt seltener auf – erst recht mit der zusätzlichen Einführung der Griffheizung ab 1973. Das Antivibrationssystem wird über die Jahre weiter optimiert – statt Gummipuffer dämpfen jetzt auch Federn die Vibration –, das Prinzip des Griffrahmens mit drei Kontaktpunkten und Dämpfern setzt sich bis heute durch.

Illustration AV-Griff, schwarz-weiß mit orangen kolorierten Details.

Der AV-Griff von STIHL ist nicht mit der Motorsäge verschweißt, sondern an drei Punkten verschraubt. Die vibrationsdämpfenden Gummipuffer sind in der Zeichnung orangen hervorgehoben.

Schonend fürs Kreuz

Die bemerkenswerte Wirkung des AV-Griffs veranschaulicht der Bericht eines Anwenders, der in der Kundenzeitschrift „Holz und Motor“ vom März 1965 festgehalten ist. Die STIHL Contra mit AV-Griff, die der Motorsägenpraktiker mehrere Monate getestet hatte, sei ausgefallen, heißt es dort. Einige Tage habe er deshalb mit einer Maschine mit herkömmlichem Griff arbeiten müssen – wovon er nicht begeistert gewesen sei: „Die Entlastung durch den AV-Griff hatte sich bei ihm sehr spürbar dadurch ausgewirkt, daß (sic) die inzwischen ungewohnte Arbeit mit der normalen Griffausführung ihm ‚ins Kreuz‘ gegangen war.“

Glühender Katalysator im Test.

Der Katalysator von STIHL – das runde Teil an der Maschine – in einem Labortest. Er glüht rot, weil der chemische Abgasverbrennungsprozess Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius auslöst. Die Kühlung erfolgt durch ein Strahlrohr, das Frischluft ansaugt.

Das Ende der blauen Abgasfahne

Die Gesundheit der Menschen, die mit Motorsägen arbeiten, spielt bei einer weiteren Innovation eine zentrale Rolle: Den weltweit ersten Katalysator für Zweitaktmotoren entwickelt STIHL 1988 – „obwohl uns niemand dazu aufforderte, niemand dazu zwang“, ordnet das Unternehmen damals im „Blick ins Werk“, der Zeitschrift für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die prophylaktische Pionierarbeit ein. STIHL bemüht sich mit dem Kat „um eine vorsorgliche Verminderung von Gefahrstoffen, deren Einfluß (sic) auf den menschlichen Organismus und die Umwelt noch kaum geklärt ist“.

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Quadratmeter Fläche würde der Motorsägen-Katalysator bedecken, wenn die Metallwaben auseinandergefaltet würden. Eingebaut hat der Kat einen Durchmesser von 5 Zentimetern.

Den Katalysator, zu jener Zeit auch in Autos noch nicht verpflichtend, habe man entwickelt, „um die Belästigungsfaktoren für den Motorsägenbenutzer einzudämmen, denn – so sagte man sich – ein Waldarbeiter kann den Abgasen seiner Maschine nicht davonfahren wie ein Kfz-Lenker“. Zu diesen „Belästigungsfaktoren“ gehören eine blaue Abgasfahne, Geruch und gelegentlich auch Augen- und Schleimhautreizungen. Mit dem Kat werden nicht nur diese verringert, sondern auch die Kohlenwasserstoffemission um bis zu 80 Prozent reduziert.

Umweltverträglich und emissionsarm

Der Katalysator in der Motorsäge schont durch die Abgasreduktion nicht nur den Menschen, sondern auch die Natur. STIHL entwickelt in der Folge diverse Systeme für bessere Umweltverträglichkeit. Dazu gehört der Sonderkraftstoff MotoMix – erstmals produziert 1990. Das darin verwendete Öl HT plus „hat nicht nur hervorragende Schmiereigenschaften, sondern wird auch sehr schnell biologisch abgebaut“, ist in der Kundenzeitschrift „Holz und Motor“ von 1990 nachzulesen. Der synthetische Kraftstoff komme zudem ohne die gesundheitsschädlichen Bestandteile von herkömmlichem Benzin aus, beispielsweise Benzol.

Auf dem Weg zu emissionsarmen Lösungen

Seit 2022 gibt es MotoMix 20: Der Kraftstoff enthält biogene Komponenten, wie Holzreste aus der Forstwirtschaft, wodurch die Treibhausgasemissionen gegenüber MotoMix nochmals um 8 Prozent reduziert werden. Die biogenen Anteile werden kontinuierlich erhöht. 2026 erhält der Sonderkraftstoff ein weiteres Update. MotoMix 100 besteht vollständig aus bio-basierten Rohstoffen und wurde speziell für 2-Takt-Motoren entwickelt. Damit – und in Zukunft wohl auch mit E-Fuels – wird der Betrieb von Geräten mit Verbrennungsmotor langfristig treibhausgasneutral sein.

Der Sonderkraftstoff MotoMix 100 besteht vollständig aus bio-basierten Rohstoffen. Er kommt 2026 gemeinsam mit der Jubiläumssäge MS 500i Centennial Edition auf den Markt.

MotoMix 100 mit einer Motorsäge und 100 Jahre Holzskulptur.

MotoMix 20 enthält natürliche Bestandteile wie Holzreste und treibt damit Motorsägen an.

Forstarbeiter mit MotoMix
Illustration mit und ohne QuickStop, schwarz-weiß mit orangen kolorierten Details.

Die Kettenbremse QuickStop ist sehr einfach in der Handhabung und sorgt für Sicherheit im Umgang mit Motorsägen.

Sicher ist sicher

In Sachen Sicherheit setzt STIHL 1972 mit einer Weltneuheit neue Standards: QuickStop. Die – damals noch manuell ausgelöste – Kettenbremse ist in der Benzinmotorsäge 031 AV verbaut, gemeinsam mit weiteren wichtigen Sicherheitsfunktionen wie Gashebelsperre, Handschutz und AV-Griff. Zehn Jahre später führt STIHL die automatische QuickStop Kettenbremse ein.

Auch dieses System ist äußerst einfach zu benutzen: Hebel nach vorne – Kette stoppt, Hebel nach hinten – Kette läuft. Kommt es zum Hochschlagen der Säge oder zu Rückschlägen, klappt der Hebel automatisch nach vorn und die Kette kommt in Sekundenbruchteilen zum Stillstand. Die Einfachheit der Handhabung ist eine bemerkenswerte Entwicklungsleistung angesichts des großen sicherheitstechnischen Nutzens.

Einfach, aber genial: der QuickStop-Effekt im Videobeweis.

Die vier Beispiele zeigen: Insbesondere im Bereich Sicherheit und Gesundheit legt sich STIHL ins Zeug – um mit „kleinen“ Innovationen die Arbeit mit Motorsägen massiv zu erleichtern. Ein schöner Nebeneffekt: die Natur profitiert ebenfalls davon.

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